Ein VPN-Server auf einem Raspberry Pi ist viel mehr als nur ein spannendes Projekt für Technikfans. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ist er eine erstaunlich günstige, sichere und flexible Möglichkeit, Mitarbeitern den geschützten Zugriff auf das Firmennetzwerk zu ermöglichen.
Warum ein Raspberry Pi als VPN eine clevere Wahl für KMU ist

Vergessen Sie teure, fertige Hardware-Lösungen. Dieser winzige Computer im Scheckkartenformat lässt Sie moderne VPN-Protokolle wie WireGuard oder OpenVPN einsetzen, die kommerziellen Produkten oft bei Geschwindigkeit und Sicherheit überlegen sind. Der eigentliche Clou liegt aber in der Kombination aus minimalen Anschaffungskosten, einem extrem niedrigen Stromverbrauch und der vollen Kontrolle über die eigene Infrastruktur.
Gerade für KMU, die ihr IT-Budget fest im Blick haben müssen, ist der Raspberry Pi die pragmatische Antwort auf eine komplexe Sicherheitsanforderung. Sie bekommen eine Lösung auf Enterprise-Niveau, aber ganz ohne die sonst üblichen Lizenzgebühren oder teuren Wartungsverträge.
Die strategischen Vorteile im Unternehmensalltag
Ein selbst betriebener VPN-Server auf einem Raspberry Pi bedeutet vor allem eines: Datenhoheit. Kein externer Anbieter kann Ihren Datenverkehr mitlesen oder protokollieren. Das ist ein riesiger Vorteil, besonders wenn es um Compliance-Anforderungen wie die NIS-2-Richtlinie oder die Vorbereitung auf eine ISO 27001 Zertifizierung geht, die den Schutz sensibler Firmendaten zur Pflicht machen.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Flexibilität. Sie können den Server genau auf Ihre Bedürfnisse zuschneiden – sei es durch die Integration eines Werbe- und Tracking-Blockers wie Pi-hole oder die Anbindung an Ihre bestehende Nutzerverwaltung. Die Kontrolle bleibt immer bei Ihnen.
Die VPN-Nutzung in Deutschland ist durch den Trend zum Homeoffice regelrecht explodiert. Einer Studie zufolge verwenden bereits 32 Prozent der Mobilnutzer und 29 Prozent der Desktop-Anwender täglich oder fast täglich ein VPN. Ein Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM stemmt dabei locker bis zu 10 gleichzeitige VPN-Verbindungen bei einer 100-Mbit/s-Leitung, wie diverse Praxistests aus der Community belegen.
Ein Raspberry Pi als VPN-Gateway macht professionelle IT-Sicherheit für jeden zugänglich. Er erlaubt es auch kleineren Firmen, robuste Schutzmechanismen aufzubauen, die früher nur mit sehr hohem Budget möglich waren.
Reale Anwendungsfälle für Ihr Unternehmen
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und lösen Probleme, die jedes KMU kennt:
- Sicherer Zugriff aus dem Homeoffice: Ihre Mitarbeiter greifen von zu Hause auf interne Dateiserver, das CRM-System oder andere wichtige Anwendungen zu, als säßen sie direkt im Büro.
- Schutz für den Außendienst: Kollegen im Vertrieb oder Service verbinden sich unterwegs über öffentliche WLAN-Hotspots sicher mit dem Firmennetzwerk, ohne sensible Kundendaten zu riskieren.
- Kontrollierter Zugang für Externe: IT-Dienstleister oder Freelancer bekommen einen streng limitierten und verschlüsselten Zugang nur zu den Systemen, die sie für ihre Arbeit wirklich brauchen.
Diese Beispiele zeigen, wie ein VPN auf dem Raspberry Pi die Datensicherheit ganz praktisch und kosteneffizient verbessert. Falls Sie tiefer in die Technik eintauchen und die Grundlagen besser verstehen wollen, liefert unser Artikel darüber, wie eine VPN-Verbindung funktioniert, die passenden Antworten.
Die optimale Vorbereitung Ihres Raspberry Pi
Ein stabiles und sicheres VPN fängt nicht bei der Software an, sondern bei einem grundsoliden Fundament. Bevor wir uns also an die eigentliche Installation machen, bereiten wir den Raspberry Pi so vor, dass er zuverlässig und sicher im Dauerbetrieb laufen kann. Aus Erfahrung kann ich sagen: Die Zeit, die Sie hier investieren, sparen Sie später doppelt und dreifach bei der Fehlersuche.
Zuerst zur Hardware. Für die meisten Anwendungsfälle, gerade im professionellen Umfeld, ist ein Raspberry Pi 4 oder 5 die richtige Wahl. Der entscheidende Vorteil ist der Gigabit-Ethernet-Anschluss, denn nur damit können Sie die volle Bandbreite Ihres Internetanschlusses auch wirklich nutzen. Sparen Sie auch nicht bei der MicroSD-Karte. Eine hochwertige Karte mit mindestens 16 GB, am besten ein „Endurance“-Modell für den Dauerbetrieb, ist hier Pflicht.
Das Betriebssystem: Schlank und sicher
Für einen Server, der einfach nur im Hintergrund seinen Dienst verrichten soll, ist eine grafische Oberfläche überflüssiger Ballast. Sie verbraucht nur Ressourcen und vergrößert unnötig die Angriffsfläche. Deshalb setzen wir auf das Raspberry Pi OS Lite (64-Bit). Es bringt nur das Nötigste mit und ist damit die perfekte Basis.
Die Installation selbst ist heutzutage kinderleicht. Der offizielle „Raspberry Pi Imager“ nimmt einem fast die ganze Arbeit ab und erlaubt schon vor dem ersten Start wichtige Voreinstellungen.
- Hostname: Geben Sie dem Pi einen sinnvollen Namen, z. B. „vpn-gateway“, damit Sie ihn im Netzwerk sofort wiedererkennen.
- Benutzer: Legen Sie direkt einen eigenen Benutzer mit einem starken Passwort an. Den Standardbenutzer „pi“ sollten Sie aus Sicherheitsgründen meiden.
- SSH aktivieren: Unbedingt den Haken setzen! Damit ermöglichen Sie den Fernzugriff über Secure Shell (SSH) und können den Pi von Anfang an „headless“, also ohne Monitor und Tastatur, verwalten.
Tipp aus der Praxis: Nehmen Sie sich diese paar Minuten für die Vorkonfiguration im Imager. Besonders die direkte Aktivierung von SSH erspart Ihnen später das umständliche Anschließen von Tastatur und Monitor, nur um den Fernzugriff einzurichten.
Erste Schritte im Netzwerk
Sobald die SD-Karte beschrieben und der Raspberry Pi mit Strom und Netzwerkkabel verbunden ist, bootet er und ist nach kurzer Zeit im Netzwerk erreichbar. Jetzt wird es Zeit, sich per SSH von Ihrem Arbeitsrechner aus zu verbinden.
Ein absolutes Muss für jeden Server ist eine feste Adresse im Netzwerk. Loggen Sie sich in Ihren Router (z. B. eine Fritz!Box) ein und weisen Sie dem Raspberry Pi eine statische IP-Adresse zu. Nur so ist sichergestellt, dass Ihr VPN-Gateway immer unter derselben Adresse erreichbar ist – die Grundvoraussetzung für die Portweiterleitung, die wir später einrichten.
Wenn Sie den SSH-Zugang noch weiter absichern möchten, finden Sie in unserem Leitfaden zur Absicherung von SSH auf Ubuntu-Systemen weiterführende Tipps, die sich größtenteils auch hier anwenden lassen.
System-Updates: Das A und O der Sicherheit
Bevor auch nur eine Zeile VPN-Software installiert wird, bringen wir das Betriebssystem auf den allerneuesten Stand. Das ist kein optionaler Schritt, sondern essenziell. Jedes Update kann kritische Sicherheitslücken schließen und stellt sicher, dass alle Software-Pakete reibungslos zusammenspielen.
Öffnen Sie also Ihre SSH-Verbindung und führen Sie nacheinander diese beiden Befehle aus:
sudo apt update
sudo apt full-upgrade -y
Der erste Befehl frischt die Paketlisten auf, der zweite spielt dann alle verfügbaren Updates ein. Ein abschließender Neustart mit sudo reboot sorgt dafür, dass alle Änderungen, vor allem am Systemkern, auch wirklich aktiv werden.
Erst jetzt ist Ihr VPN Raspberry Pi wirklich bereit für die Installation der eigentlichen VPN-Server-Software.
Installation Ihres WireGuard VPN mit PiVPN
Jetzt, wo die Basis steht, kommen wir zum spannendsten Teil: der eigentlichen Installation Ihres VPN-Servers. Anstatt sich mühsam durch unzählige Konfigurationsdateien zu kämpfen, greifen wir auf ein geniales Werkzeug namens PiVPN zurück. Dieses Skript wurde von Enthusiasten genau dafür entwickelt, die Einrichtung eines sicheren VPNs auf dem Raspberry Pi so unkompliziert wie möglich zu gestalten.
PiVPN nimmt Sie an die Hand und führt Sie mit einem interaktiven Dialog durch den gesamten Prozess. Sie müssen kein Netzwerkprofi sein, um am Ende eine absolut sichere und professionelle Lösung zu haben. Das Skript erledigt die ganze komplexe Arbeit im Hintergrund – von der Erzeugung der kryptografischen Schlüssel bis hin zur Konfiguration der Netzwerkschnittstellen.
Der Startschuss zur automatisierten Installation
Alles, was Sie jetzt brauchen, ist ein einziger Befehl. Öffnen Sie die SSH-Verbindung zu Ihrem vorbereiteten Raspberry Pi und führen Sie Folgendes aus, um das PiVPN-Installationsskript direkt von der offiziellen Quelle zu laden und zu starten:
curl -L https://install.pivpn.io | bash
Ab jetzt folgen Sie einfach den Anweisungen auf dem Bildschirm. Jeder Schritt wird kurz und verständlich erklärt, sodass Sie immer genau wissen, welche Entscheidung Sie gerade treffen und warum.
Gerade in deutschen KMU erlebt der Raspberry Pi als VPN-Server einen regelrechten Boom, da er eine pragmatische Antwort auf die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie bietet. WatchGuard prognostiziert, dass ein Drittel aller Sicherheitsverletzungen auf falsch konfigurierte VPNs zurückzuführen ist. Genau hier spielt PiVPN seine Stärke aus: Es verkürzt das Setup auf weniger als 30 Minuten und kann das Risiko menschlicher Fehler bei der Zertifikatsverwaltung um bis zu 70 Prozent reduzieren. Ein aktueller Pi 5 für rund 80 Euro schafft dabei einen VPN-Durchsatz von über 500 Mbit/s – eine Kosteneinsparung von bis zu 84 Prozent gegenüber kommerziellen Gateway-Appliances. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber zu VPN-Tunneln auf lightweb-media.de.
Wichtige Entscheidungen während des Setups
Während der Installation stellt Ihnen das Skript ein paar entscheidende Fragen. Hier sind die wichtigsten Punkte und meine persönlichen Empfehlungen für ein optimales Ergebnis:
- Protokoll-Wahl: Sie werden gefragt, ob Sie WireGuard oder OpenVPN installieren möchten. Meine klare Empfehlung lautet WireGuard. Es ist moderner, spürbar schneller und schont die Ressourcen des kleinen Raspberry Pi.
- Port-Einstellung: Standardmäßig lauscht WireGuard auf dem UDP-Port 51820. Sie können diesen einfach übernehmen oder einen anderen festlegen. Wichtig ist nur: Notieren Sie sich die Portnummer, denn die brauchen wir gleich für die Portweiterleitung im Router.
- DNS-Provider: Hier legen Sie fest, welchen DNS-Server Ihre verbundenen Geräte nutzen sollen. Datenschutzfreundliche Anbieter wie Quad9 oder Cloudflare sind eine exzellente Wahl.
- Unbeaufsichtigte Upgrades: Das Skript bietet an, automatische Sicherheitsupdates für Ihr System zu aktivieren. Sagen Sie hier unbedingt „Ja“. So bleibt Ihr VPN-Server geschützt, ohne dass Sie ständig manuell nachbessern müssen.
Ein echter Geheimtipp ist die optionale Einbindung von Pi-hole direkt während der Installation. Falls Sie Pi-hole bereits nutzen oder es vorhaben, können Sie es hier direkt als DNS-Server für Ihre VPN-Verbindungen festlegen. Das Ergebnis: Alle Geräte, die sich über Ihr VPN verbinden, profitieren sofort von einem netzwerkweiten Werbe- und Tracking-Schutz.
Die folgende Grafik fasst die wichtigen Vorbereitungsschritte noch einmal zusammen, die den Grundstein für eine problemlose PiVPN-Installation legen.

Man sieht hier gut, wie eine saubere Basis – vom Betriebssystem über den SSH-Zugang bis zu den Updates – den Weg für das eigentliche VPN-Setup ebnet.
Client-Profile anlegen und verwalten
Nachdem die Installation durchgelaufen ist, steht Ihr Server. Aber noch kann sich niemand verbinden. Dafür müssen wir jetzt Client-Profile erstellen. Jedes einzelne Gerät, das Zugriff erhalten soll – egal ob Firmenlaptop, Mitarbeiter-Smartphone oder Tablet –, braucht sein eigenes, einzigartiges Profil.
Mit PiVPN ist das zum Glück kinderleicht. Der Befehl pivpn add startet einen Dialog, bei dem Sie nur noch einen aussagekräftigen Namen für das Profil vergeben müssen, zum Beispiel „Laptop-MaxMustermann“ oder „iPhone-CEO“.
Im Hintergrund generiert das Skript dann ein neues Schlüsselpaar und packt alles Nötige in eine Konfigurationsdatei. Diese .conf-Datei ist quasi der digitale Schlüssel für den Client.
Um diese Profile an die Endgeräte zu verteilen, haben sich zwei Methoden bewährt:
- Die
.conf-Datei übertragen: Sie können die erzeugte Konfigurationsdatei vom Raspberry Pi auf Ihr Gerät kopieren. Dort importieren Sie sie einfach in die offizielle WireGuard-App. - Den QR-Code scannen: Noch eleganter geht es mit dem Befehl
pivpn -qr. Dieser zaubert einen QR-Code direkt ins Terminal. Einfach mit der WireGuard-App auf dem Smartphone oder Tablet scannen, und die Konfiguration wird blitzschnell und fehlerfrei übernommen.
Dieses Vorgehen ist übrigens ein zentraler Sicherheitsaspekt. Verlässt ein Mitarbeiter das Unternehmen oder geht ein Gerät verloren, sperren Sie mit pivpn revoke gezielt nur dieses eine Profil. Alle anderen Zugänge bleiben davon unberührt. So behalten Sie jederzeit die volle Kontrolle. Ihr VPN Raspberry Pi ist nun einsatzbereit und wartet auf die ersten sicheren Verbindungen.
Externen Zugriff einrichten und Firewall konfigurieren

Ein installierter VPN-Server ist schon mal ein großer Schritt, aber er nützt wenig, wenn ihn niemand von außen erreichen kann. Jetzt geht es darum, dem VPN Raspberry Pi eine sichere Tür nach draußen zu geben, ohne dabei das ganze Netzwerk für Angreifer zu öffnen.
Das ist ein klassischer Balanceakt: Wir brauchen Erreichbarkeit für unsere Mitarbeiter, aber maximale Sicherheit gegen unerwünschte Gäste. Die Lösung liegt in einem Zusammenspiel aus zwei Bausteinen: einer gezielten Portweiterleitung im Router und einer soliden Firewall direkt auf dem Pi.
Den Weg freimachen: Portweiterleitung im Router
Stellen Sie sich Ihren Router als den Pförtner Ihres Netzwerks vor. Standardmäßig weist er jeden unbekannten Besucher ab. Wir müssen ihm also eine ganz konkrete Anweisung geben: „Wenn jemand für den VPN-Dienst anklopft, leite ihn bitte direkt zum Raspberry Pi weiter.“
Genau das macht die Portweiterleitung (oder Port-Forwarding). Ohne diese Regel würden alle VPN-Verbindungsversuche einfach an der digitalen „Außenmauer“ Ihres Routers abprallen.
Für WireGuard haben wir bei der Installation den UDP-Port 51820 festgelegt. Und genau diesen Port müssen wir nun im Router freigeben und auf die statische IP-Adresse des Raspberry Pi lenken. Die Menüs sehen bei jedem Router etwas anders aus, aber die Logik ist immer dieselbe:
- Im Router anmelden: Öffnen Sie die Weboberfläche Ihres Routers (bei einer Fritz!Box zum Beispiel über
fritz.boxim Browser). - Portfreigaben suchen: Halten Sie Ausschau nach Menüpunkten wie „Internet“, „Freigaben“ oder direkt „Portfreigaben“.
- Neue Regel anlegen: Hier erstellen Sie eine neue Weiterleitung für ein bestimmtes Gerät.
- Daten eintragen: Wählen Sie den Raspberry Pi aus, geben Sie als Protokoll UDP und für den externen wie internen Port die 51820 an. Dann speichern.
Mein Tipp aus der Praxis: Geben Sie wirklich nur diesen einen UDP-Port frei. Jede zusätzliche offene Tür ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Weniger ist hier definitiv mehr.
Immer erreichbar bleiben mit Dynamic DNS
Ein typisches Problem bei den meisten Internetanschlüssen: Die öffentliche IP-Adresse ändert sich regelmäßig. Meist nachts, vom Provider veranlasst. Das ist so, als würde Ihr Bürogebäude jede Nacht seine Hausnummer ändern – Ihre VPN-Clients würden am nächsten Morgen ins Leere laufen.
Die Lösung dafür ist Dynamic DNS (DynDNS). Ein DynDNS-Dienst verpasst Ihrem Anschluss einen festen, einprägsamen Namen (z. B. mein-firmen-vpn.ddns.net), der automatisch immer auf die gerade aktuelle IP-Adresse zeigt.
Viele Router-Hersteller wie AVM (mit MyFRITZ!) bieten solche Dienste kostenlos an und die Einrichtung ist meist mit wenigen Klicks erledigt. Alternativ gibt es externe Anbieter, die oft kostenlose Basistarife haben. Diesen festen Hostnamen hinterlegen Sie dann in den Konfigurationsdateien Ihrer VPN-Clients.
Die Firewall als innerer Schutzwall
Während der Router die Haupttür bewacht, sorgt eine Firewall direkt auf dem Raspberry Pi dafür, dass niemand durch einen unbewachten Nebeneingang schlüpfen kann. Wir setzen hier auf die UFW (Uncomplicated Firewall) – der Name ist Programm.
Das Schöne ist: PiVPN hat die grundlegenden Regeln für die UFW schon während der Installation für uns erstellt. Eingehender Verkehr wird für den WireGuard-Port (UDP 51820) und für den SSH-Zugang (TCP 22) erlaubt, damit wir den Pi weiter administrieren können. Alles andere wird rigoros blockiert.
Mit dem Befehl sudo ufw status können Sie sich jederzeit davon überzeugen, dass die Firewall aktiv ist und die richtigen Regeln greifen. Für die meisten Anwendungsfälle ist dieser Basisschutz absolut ausreichend.
Wer allerdings höhere Sicherheitsanforderungen hat, sollte sich intensiver mit dem Thema beschäftigen. In unserem Beitrag zur richtigen Firewall für kleine Unternehmen gehen wir da noch viel tiefer ins Detail. Und denken Sie daran: Ändern Sie alle Standardpasswörter – vom Raspberry Pi bis zum Router-Admin. Das ist eine der einfachsten und wirksamsten Sicherheitsmaßnahmen überhaupt.
Der VPN-Server im Unternehmensalltag: Betrieb und Wartung
Okay, der VPN-Server auf Ihrem Raspberry Pi läuft. Glückwunsch! Das ist ein wichtiger Schritt, aber im professionellen Einsatz fängt die Arbeit hier erst richtig an. Ein VPN, das Firmendaten schützt, muss vor allem eines sein: absolut zuverlässig. Es reicht nicht, dass er irgendwie funktioniert – er muss sicher, compliant und bei Bedarf auch skalierbar sein.
Gerade mit Blick auf Vorschriften wie die NIS-2-Richtlinie können wir es uns nicht leisten, nur auf Probleme zu reagieren. Unternehmen müssen proaktiv dafür sorgen, dass ihre Infrastruktur, und damit auch das VPN-Gateway, lückenlos geschützt und sauber dokumentiert ist.
Ohne Backup? Ein No-Go. So sichern Sie Ihren Server ab.
Stellen Sie sich das Horrorszenario vor: Die SD-Karte Ihres Raspberry Pi gibt über Nacht den Geist auf. Ohne ein aktuelles Backup sind alle Konfigurationen, Client-Profile und die investierte Arbeit futsch. Eine durchdachte Backup-Strategie ist also keine nette Zugabe, sondern Pflicht.
In der Praxis haben sich zwei Methoden bewährt:
- Das Komplettpaket: Image-Backups. Das ist die einfachste und sicherste Methode. Sie erstellen eine exakte 1:1-Kopie der gesamten SD-Karte. Fällt der Pi aus, spielen Sie dieses Image auf eine neue Karte, stecken sie ein und der Server ist in wenigen Minuten wieder am Start. Tools wie der „Raspberry Pi Imager“ oder der Linux-Klassiker
dderledigen das für Sie. - Die schlanke Variante: Gezielte Konfigurationssicherung. Wenn es schneller gehen soll, sichern Sie nur die entscheidenden Konfigurationsordner. Bei einer PiVPN-Installation liegen die kritischen Daten typischerweise unter
/etc/wireguardund die Profile Ihrer Nutzer unter/home/BENUTZERNAME/configs. Ein kleines Skript, das diese Ordner regelmäßig als ZIP-Datei auf ein NAS oder in die Cloud schiebt, ist oft schon die halbe Miete.
Tipp aus der Praxis: Machen Sie mindestens einmal im Monat ein komplettes Image-Backup und – ganz wichtig – testen Sie die Wiederherstellung! Ein ungetestetes Backup ist im Ernstfall nichts wert. Ergänzen Sie das Ganze mit automatisierten, wöchentlichen Backups der reinen Konfigurationsdateien.
Läuft alles rund? Monitoring für Stabilität und Sicherheit
Ein Server ohne Überwachung ist wie ein Auto ohne Armaturenbrett. Sie haben keine Ahnung, ob er kurz vor der Überhitzung steht, ob jemand an der Tür rüttelt oder ob einfach der Tank leer ist. Aktives Monitoring ist der Schlüssel, um Probleme zu erkennen, bevor sie zu einem echten Ausfall werden.
Zum Glück gibt es schlanke Tools, die wie für den Raspberry Pi gemacht sind:
- CPU- und RAM-Auslastung im Blick: Ein schnelles
htopauf der Konsole gibt sofort einen Überblick. Für die Langzeitbeobachtung sind Tools wienetdatafantastisch, die Ihnen übersichtliche Web-Dashboards liefern. - Netzwerk-Traffic analysieren: Mit
wg showsehen Sie auf einen Blick, wer gerade verbunden ist und wie viel Datenverkehr anfällt. So spüren Sie Engpässe oder ungewöhnliche Aktivitäten schnell auf. - Systemgesundheit prüfen: Behalten Sie den freien Speicherplatz der SD-Karte mit
df -him Auge. Nichts ist ärgerlicher als ein Serverausfall, nur weil die Log-Dateien die Karte vollgemüllt haben.
Dieser proaktive Ansatz sichert nicht nur die Verfügbarkeit, sondern ist auch ein wichtiger Nachweis für die Compliance. Sie zeigen damit, dass Sie die Kontrolle über Ihre Systeme haben.
Zentrales Logging und was der Gesetzgeber verlangt
Im Firmenumfeld müssen Sie nachvollziehen können, wer sich wann mit dem VPN verbunden hat. Das ist nicht nur für die Fehlersuche entscheidend, sondern eine Kernforderung für Audits und die Einhaltung von Vorschriften wie NIS-2. Es reicht also nicht, die Log-Dateien nur lokal auf dem Pi zu speichern – bei einem Defekt wären sie weg.
Die Lösung heißt zentrales Logging. Leiten Sie die System- und VPN-Logs (zum Beispiel per syslog) an einen dedizierten Log-Server im Netzwerk weiter. Damit stellen Sie sicher, dass alle relevanten Ereignisse revisionssicher archiviert werden und jederzeit für Analysen bereitstehen.
Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Mindestens 33 Prozent der Sicherheitslücken entstehen durch veraltete VPN-Tools mit permanent offenen Ports. Ein moderner VPN Raspberry Pi mit WireGuard hat hier die Nase vorn, da er oft nach einem Zero-Trust-Ansatz arbeitet und nicht ständig lauschen muss. Das ist besonders in Deutschland relevant, wo die Nachfrage nach sicheren, NIS-2-konformen Lösungen stark zunimmt. Die Leistungseinbuße durch VPN auf einem Pi 4 liegt übrigens oft bei nur 20–30 Prozent, was für kleine Teams von 5 bis 15 Personen locker ausreicht. Mehr zu den Risiken veralteter VPN-Technologien können Sie in diesem Trendbericht von WatchGuard auf it-sicherheit.de nachlesen.
Was Sie noch wissen sollten: Häufige Fragen zum Raspberry Pi als VPN-Server
Wer sich daran macht, einen eigenen VPN-Server auf dem Raspberry Pi aufzusetzen, stößt oft auf dieselben Fragen. Hier habe ich die wichtigsten Punkte aus der Praxis für Sie zusammengefasst, damit Ihr Projekt von Anfang an rundläuft.
Welches Raspberry Pi Modell ist das richtige für mich?
Für die meisten Anwendungsfälle in kleinen bis mittleren Unternehmen ist ein Raspberry Pi 4 mit 2 GB oder 4 GB RAM die goldene Mitte. Er hat genug Power für bis zu 15 gleichzeitige Nutzer und ist dabei extrem stromsparend – perfekt für den Dauerbetrieb.
Entscheidend ist hier der Gigabit-Ethernet-Anschluss. Damit vermeiden Sie einen Flaschenhals im Netzwerk und sorgen für ordentlich Durchsatz. Klar, ein Raspberry Pi 5 hat noch mehr Leistungsreserven, aber für einen reinen WireGuard-Server ist das Modell 4 in der Regel die cleverere, weil kosteneffizientere Wahl.
Kann der Pi noch mehr als nur VPN?
Absolut, und genau das macht ihn ja so genial! Der kleine Rechner ist ein wahres Multitalent. Sie können problemlos weitere Dienste parallel laufen lassen.
Ein paar beliebte Beispiele aus der Praxis:
- Pi-hole: Damit verbannen Sie Werbung und Tracker aus Ihrem gesamten Netzwerk. Einmal aufgesetzt, profitieren alle Geräte.
- Kleiner Dateiserver (NAS): Mit Tools wie Samba haben Sie im Handumdrehen eine Netzwerkfreigabe für Ihr Team eingerichtet.
- Unifi-Controller: Perfekt, wenn Sie Netzwerk-Hardware von Ubiquiti verwalten.
Behalten Sie dabei aber immer die Auslastung von CPU und Arbeitsspeicher im Blick. Wenn es um sicherheitskritische Firmenumgebungen oder die Einhaltung strenger Vorgaben geht, würde ich allerdings immer empfehlen, den Raspberry Pi ausschließlich als VPN-Gateway zu nutzen. Je weniger Dienste laufen, desto kleiner ist die Angriffsfläche.
Wie sicher ist so eine Eigenbau-Lösung wirklich?
Ein sauber konfigurierter VPN Raspberry Pi, der auf WireGuard setzt, ist extrem sicher. Er steht kommerziellen Lösungen in nichts nach – oft ist er sogar überlegen. Der größte Trumpf, den Sie in der Hand haben: die volle Kontrolle.
Sie allein bestimmen über Ihre Infrastruktur. Kein Drittanbieter liest mit, protokolliert Ihren Datenverkehr oder hat Zugriff auf Ihre Schlüssel. Das ist Datensouveränität in Reinform.
Die Sicherheit steht und fällt natürlich mit Ihrer Sorgfalt bei der Einrichtung. Wichtig sind vor allem drei Dinge:
- Starke kryptografische Schlüssel verwenden.
- Das System regelmäßig mit Updates versorgen.
- Den Raspberry Pi selbst absichern (Firewall, sichere Passwörter).
Gerade für Unternehmen, die sich mit Themen wie NIS-2 beschäftigen, ist eine solche selbst gehostete Lösung ein starkes Argument, um die Kontrolle über den Datenfluss nachzuweisen.
Was mache ich bei einem DS-Lite Internetanschluss?
DS-Lite ist leider ein echter Spielverderber. Da Ihr Provider Ihnen keine eigene, öffentliche IPv4-Adresse gibt, sind Sie von außen nicht direkt erreichbar. Das macht den Fernzugriff kompliziert.
Der einfachste und sauberste Weg ist meist, beim Internetanbieter anzufragen, ob er Sie auf einen "echten" Dual-Stack-Anschluss mit öffentlicher IPv4-Adresse umstellen kann.
Für alle, die es technisch angehen wollen, gibt es auch Workarounds, die aber mehr Aufwand bedeuten:
- Portmapper-Dienste: Externe Dienste leiten den Traffic von einer öffentlichen Adresse zu Ihnen um.
- vServer als Relais: Sie mieten einen kleinen, günstigen vServer, der als eine Art Vermittler zwischen dem IPv4-Internet und Ihrem IPv6-Anschluss zu Hause fungiert.
Neben diesen spezifischen Punkten lohnt sich auch ein Blick in die allgemeine häufig gestellte Fragen, die oft auch übergreifende Themen abdecken.
Ein Raspberry Pi als VPN-Server ist eine leistungsstarke und kosteneffiziente Lösung. Wenn Sie jedoch professionelle Unterstützung bei der Implementierung sicherer IT-Infrastrukturen oder bei der Erfüllung von Compliance-Anforderungen wie NIS-2 benötigen, steht Ihnen Deeken.Technology GmbH als zertifizierter Partner zur Seite. Kontaktieren Sie uns für eine umfassende Beratung unter https://deeken-group.com.

